Das Großfatra-Duo Tlstá und Ostrá
- 06:25
- 17 km
- 1100 m
Die malerische Kammwanderung durch die Große Fatra ist ein unvergessliches Erlebnis für alle, die wilde Natur, tiefe Wälder und grasbewachsene Rücken lieben, auf denen bis heute unter dem Klang von Glocken Schaf- und Rinderherden weiden. Übernachten könnt ihr in einer der romantischen Sennhütten und den Abend vielleicht am Feuer ausklingen lassen.
Die Große Fatra ist ein weitläufiges Gebirge mit nur wenigen Seilbahnen und Bergzentren. Um auf den Kamm zu gelangen, müsst ihr meist zunächst viele Kilometer durch lange Täler zurücklegen. Gerade deshalb sind hier deutlich weniger Menschen unterwegs als in der Tatra oder etwa in der Kleinen Fatra. Abenteuerlustige kommen hier also voll auf ihre Kosten.
Im Bereich des Gipfels Ploská teilt sich der Kamm der Großen Fatra in einen turzischen und einen liptauischen Ast, die durch das Lubochnianska-Tal voneinander getrennt werden. Mit seinen 25 Kilometern ist es das längste Tal der Slowakei. Der turzische Ast ist überwiegend dicht bewaldet, schlechter markiert und bietet weniger Ausblicke sowie Übernachtungsmöglichkeiten. Deshalb wählen die meisten Wanderer den liptauischen Kamm mit Start in Ružomberok.
Vom Bahnhof in Ružomberok müsst ihr zunächst den Fluss Waag überqueren und zum A.-Hlinka-Platz aufsteigen, wo die blaue Markierung beginnt. Sie führt euch zuerst auf einer langen Allee aus der Stadt hinaus, später durch einige Randstraßen und entlang eines Kreuzwegs hinauf zum Wegweiser Kalvária (612 m). Dort könnt ihr links auf die anspruchsvollere Variante abzweigen und auf dem roten Weg zu den Gipfeln Veľká skala (911 m) und Sidorovo (1.099 m) aufsteigen. Wenn ihr weiter der blauen Markierung folgt, biegt ihr bald von der Straße links auf einen Pfad ab, der diese Gipfel im Wald quert und euch ebenso wie der rote Weg zum Wegweiser Vlkolínske lúky (820 m) mit hölzernem Unterstand bringt.
Folgt weiter der blauen Markierung auf der Asphaltstraße, bis ihr das Gebiet Malino Brdo (930 m) erreicht. Dort biegt ihr links ab und steigt am Rand der Skipiste steil gut 250 Höhenmeter zur Bergstation der Seilbahn auf, die etwas unterhalb des Gipfels Malinné (1.209 m) steht. Auf einem schmalen Pfad geht es ein paar Dutzend Meter in einen Buchenwald hinab, danach nach einem kurzen Auf und Ab scharf nach rechts. Bald tretet ihr auf eine Wiese oberhalb des Wegweisers sedlo pod Vtáčnikom (1.120 m). Wenn ihr Wasser nachfüllen müsst, biegt links auf den grünen Weg ab – nach 250 Metern kommt ihr zu einer gefassten Quelle.
Vom Wegweiser folgt ihr der grünen Markierung nach rechts und gelangt zunächst nach einem kurzen Abstieg und anschließendem längeren Anstieg zum Wegweiser Vyšné Šiprúňske sedlo (1.385 m). An den Hängen unterhalb des Sattels stand früher eine Sennhütte, und Übernachten ist hier erlaubt. Nicht weit davon liegt das Nižné Šiprúňske sedlo (1.327 m), wo ihr links abbiegt. Von hier geht es überwiegend durch Wald auf einem sanft welligen Weg weiter bis zu den Wiesen unterhalb des Gipfels Malá Smrekovica (1.485 m), den ihr links umgeht. Kurz darauf beginnt der Abstieg zur Militärerholungsanlage Smrekovica, vor der ihr an einer Quelle rechts vom Weg Wasser auffüllen könnt.
Das erste Gebäude im Areal von Smrekovica ist das Berghotel Granit, dessen Dienste ihr nutzen könnt, wenn ihr nicht draußen schlafen möchtet. Wenn ihr weiter der grünen Markierung folgt, geht ihr kurz durch den Wald und steigt dann über eine große Wiese zum Berghotel Smrekovica hinab. Gegenüber dem Hotel liegt ein kleiner Steinbruch, in dem das Zelten erlaubt ist.
Ein paar Dutzend Meter hinter dem Hotel biegt der Weg nach rechts, und auf einen kurzen Anstieg über eine Wiese folgt ein fast ebener Abschnitt, der über die grasigen Südosthänge des Gipfels Skalná Alpa (1.463 m) führt. Durch leicht welliges, überwiegend bewaldetes Gelände erreicht ihr das severné Rakytovské sedlo (1.415 m). Von dort könnt ihr, weiterhin der grünen Markierung folgend, auf den Rakytov (1.567 m) steigen oder ihn auf dem gelben Weg umgehen und so den steilen Anstieg vermeiden. Das wäre allerdings schade, denn es ist der erste wirklich aussichtsreiche Berg der Kammwanderung. Von oben liegt euch der schönste Teil der Großen Fatra mit dem felsigen Gipfel Čierny Kameň und der mächtigen Ploská im Vordergrund wie auf dem Präsentierteller zu Füßen.
Weiter geht es in einem längeren Abstieg zum južné Rakytovské sedlo (1.295 m) und anschließend auf angenehmem Weg mit einem kürzeren Gegenanstieg und folgendem sanften Abstieg zum sedlo pod Čiernym kameňom (1.266 m). Ein Stück hinter dem Wegweiser entspringt ein Bach, an dem ihr Wasser auffüllen könnt. Auf den freistehenden Čierny Kameň steigt ihr nicht hinauf, sondern quert ihn auf einem bequemen Pfad durch Buchenwald. Hinter dem Wald stoßt ihr rechts vom Weg auf eine weitere Quelle. Von hier ist es nur noch ein Katzensprung zum sedlo Ploskej (1.390 m), wo ihr die grüne Markierung verlasst und auf der gelben Markierung in leichtem Anstieg zum Gipfel der Ploská (1.532 m) aufsteigt.
Es wäre wirklich schade, keinen kleinen Abstecher zur märchenhaften Chata pod Borišovom (1.300 m) zu machen, die sich unter dem gleichnamigen Gipfel – Borišov (1.510 m) – versteckt. Der rote Weg führt euch dorthin. Wie zu jeder richtigen Berghütte führt auch hier keine Zufahrtsstraße, und die Vorräte werden auf dem Rücken hinaufgetragen. In der Hütte könnt ihr gut essen, trinken und auch übernachten. Wenn ihr keinen Zeitdruck habt, werdet ihr den steilen Aufstieg auf den Borišov sicher nicht bereuen – oben warten schöne Ausblicke und eine entspannte Pause im Gras.
Von der Hütte müsst ihr zum Glück nicht wieder auf die Ploská aufsteigen, die von hier besonders gewaltig wirkt, sondern könnt dem bequemen blau markierten Quergang folgen. An Landschaftsblicken wird es euch hier sicher nicht fehlen, und außerdem gibt es mehrere Möglichkeiten, Wasser nachzufüllen.
Zurück auf die Kammroute gelangt ihr am Wegweiser Chyžky (1.310 m). Von hier könnt ihr zu einer spartanisch ausgestatteten Sennhütte namens Salaš pod Kýškami abzweigen, an der das Übernachten erlaubt ist. Wenn ihr euch entscheidet, hier zu schlafen, müsst ihr euch mit ein paar Bänken und einem kleinen Ofen zum Heizen begnügen; etwas tiefer findet ihr auch eine Quelle. Zur Hütte gelangt ihr in wenigen Minuten auf dem gelben Weg.
Zur vielleicht schönsten Sennhütte der Großen Fatra, an der ebenfalls übernachtet werden kann, müsst ihr jedoch noch etwa eine Dreiviertelstunde auf der roten Markierung weitergehen – anfangs kurz und steil, später nur noch sanft ansteigend. Ihr passiert den Wegweiser Koniarky (1.377 m), und kurz bevor der Anstieg am bewaldeten Hang des Suchý vrch beginnt, biegt ihr rechts ab. Nach einem Moment seht ihr sie – die Salaš pod Suchým vrchom. Vom markierten Weg aus ist sie zwar nicht sichtbar, aber mehrere ausgetretene Pfade führen dorthin, sodass die Abzweigung gut zu finden sein sollte. Die Hütte ist mit Stockbetten, einem gemauerten Ofen ausgestattet, und übernachten kann man auch auf dem Dachboden. Trinkwasser gibt es etwa 250 Meter entfernt, gefasst in einem Eisenrohr.
Gleich am Morgen bringt ihr mit dem Anstieg an den Hängen des Suchý vrch eure steifen Beine in Schwung. Auf seinen Gipfel führt der Weg leider nicht, und ihr geht weiter nach Ostredok, rázcestie (1.592 m). Noch vor wenigen Jahren glaubte man, genau hier auf dem höchsten Gipfel der Großen Fatra – dem Ostredok – zu stehen. Neuere Messungen zeigten jedoch, dass der benachbarte Gipfel namens Pustolovčia um ein paar Meter höher ist (1.596 m), und so wurde beschlossen, ihn zum Ostredok zu machen. Heute müsst ihr von hier also noch ein paar hundert Meter über einen sehr flachen Sattel gehen, der diese Gipfel voneinander trennt, um den Ostredok (1.596 m) zu erreichen.
Über leicht gewellte, grasige Kammabschnitte gelangt ihr zum Militärradar auf dem Gipfel der Križná (1.574 m). Sie ist de facto der letzte Gipfel der Überschreitung der Großen Fatra. Der kürzeste und praktischste Weg zurück in die Zivilisation führt von hier über den Wegweiser Pod Líškou (1.345 m) in das Dorf Turecká (605 m) und von dort noch 2,5 Kilometer nach Staré Hory (480 m), von wo es gute Busverbindungen zurück nach Ružomberok gibt.
Wenn ihr keinen Zeitdruck habt, könnt ihr von der Krížna auf der Kammroute mit leichtem Abstieg in den Bereich der Kráľova studňa (1.330 m) weitergehen, wo sich mehrere weitere Möglichkeiten anbieten (siehe Alternativen).
Kýšky (6:00)